"Mindestlohn: Bäcker erhöhen leicht ihre Preise" - Richtigstellung

8,50 Euro pro Stunde sind seit Jahresbeginn gesetzlich vorgeschrieben. Viele Händler ächzen unter der Last, aber auch Bürger: Sie bekommen die Folgen zu spüren.

Flöha. Im Altkreis Flöha scheinen sich einige Befürchtungen in puncto Mindestlohn zu bewahrheiten - zumindest in manchen Bereichen. Fast 90 Prozent von 108 Unternehmen hatten laut mittelsächsischer Industrie- und Handelskammer bereits im September 2014 eingeschätzt, dass sie steigende Personalkosten nur durch Rationalisierung, Preiserhöhung, kürzere Öffnungszeiten kompensieren können.

Erste Konsequenzen gibt es im Bäckereigewerbe. Die Bäckerei Walthelm schließt ihre Filiale im neuen Baumarkt Flöha nun bereits 18 Uhr. Wie Seniorchefin Carola Althelm sagt, hat sich der Preis für Kuchen im Schnitt von 90 Cent auf maximal 1,20 Cent erhöht. "Wir hatten schon Angst vor dem Thema Mindestlohn", sagt sie, "und haben oft gegrübelt, ob die Kunden Einschränkungen mittragen werden." Zumindest bis jetzt sei das der Fall: "Wir sind offen mit dem Thema umgegangen und haben sie informiert. Auch darüber, dass wir keine Millionäre werden wollen, anders aber die berechtigt höheren Löhne für die Mitarbeiter nicht zu stemmen sind."

Viel drastischer schätzt man die Situation in der Bäckerei der Brüder Udo und Jörg Lieberwirth, die fast 20 Filialen in ganz Sachsen haben, ein. "Es ist die wirklich größte Katastrophe seit der Wende", äußerte sich Jörg Lieberwirth aus der Zentrale in Leubsdorf. Mehr wollte man dazu aber nicht sagen, nicht in dieser Situation, heißt es.

Die Bäckerei Adler aus Oederan wiederum verweist auf eine minimale Preiserhöhung. Wie eine Mitarbeiterin sagte, musste das sein, um den Mindestlohn auszugleichen. Ihrer Ansicht nach zeigen Kunden Verständnis. "Unsere Öffnungszeiten behalten wir nach wie vor bei."

Eine sachsenweite Tendenz, so Geschäftsführerin Manuela Lohse vom Landesinnungsverband Saxonia, dass Öffnungszeiten im Bäckerhandwerk aufgrund des Mindestlohns eingeschränkt werden, gebe es aber nicht. "Hier bestimmen die Kundennachfrage und der Standort weiterhin die Entscheidung der Bäckermeister, wie die Öffnungszeiten gestaltet werden." Ebenso macht sie nicht nur den Mindestlohn, sondern unter anderem auch die Erhöhung von Energiekosten mit verantwortlich, dass die Kalkulation der Preise von Bäckereibetrieben in regelmäßigen Abständen überprüft und eventuell angepasst, sprich erhöht, werden müssen.

Kunden aus Flöha, gestern befragt, winken ab. Machen könne man nichts dagegen, und außerdem, die Bäcker können ja letzten Endes auch nichts dafür. Die Flöhaerin Birgitt Röpke, engagiert im Gewerbe- und Festverein Flöha, wird da schon deutlicher. "Es kann nicht sein, dass alles auf die Kunden umgelegt wird", sagt sie. Beispielsweise gebe es unübersehbar auch Preiserhöhungen beim Friseur, bei der Kosmetik. "Bei allem Verständnis, irgendwann muss Schluss sein."

Der Frankenberger Uwe Balzuhn kann aber jegliche Negativ-Diskussionen um das Thema Mindestlohn nicht mehr hören. Seit Jahren betreibt er ein Eisenwaren- und Haushaltwarengeschäft auf der Frankenberger Humboldtstraße, ist zudem stellvertretender Vorsitzender des Gewerbeverbandes Frankenberg. Er rät zu mehr Optimismus. Der Stundenlohn ab 8,50 Euro sollte jedem Mitarbeiter gegönnt werden. Das fördere die Kaufkraft. Im Frankenberger Gewerbeverband ist über die Auswirkungen des Mindestlohnes gesprochen worden. Tenor: An den Öffnungszeiten der Geschäfte ändere sich nichts.

Thomas Kruse vom Oederaner Gewerbeverein ist noch nicht bekannt, ob es im Oederaner Gebiet Probleme mit dem Mindestlohn gibt. Der Vereinsvorsitzende hofft aber, am 4. März zum Gewerbestammtisch Klarheit zu bekommen. "Der Stammtisch ist im übrigen offen für jedermann."

Dass es auch ganz anders geht, möchte Kathrin Stöckel mit ihrer Modeboutique in Marbach zeigen. "Gemeinsam mit meiner einzigen Mitarbeiterin habe ich den Mindestlohn Schritt für Schritt eingeführt", sagt sie. "Da trifft es einen nicht so hart." Die Ladenöffnungszeiten zu verringern komme für sie nicht in Frage. "Unser Kunden haben uns während der schweren Zeit, als vor unserer Haustür gebaut wurde, die Treue gehalten. Sie möchte ich nicht enttäuschen." Geöffnet sei wie immer die gesamte Woche: von montags bis samstags. Und im Herbst plane man für die Kunden ganz spezielle Aktionen. (mit ule)

(Quelle: Freie Presse vom 21.02.2015 von Eveline Rössler)

 Erklärung von Birgitt Röpke zu dem Presseartikel:

In der Freien Presse vom 21.02.2015 wurde ich zu meiner Verwunderung unter der Überschrift „Mindestlohn: Preise steigen“ auf der Titelseite und im Flöhateil in einer Gegenposition zu den Unternehmern, die zur Bewältigung des Mindestlohnes Preise erhöhen müssen, dargestellt – optisch in einem Pro- und Contrabild mit Archivfotos von dem Bäckermeister Lieberwirth und mir über entsprechende Zitate. Diesen Gegensatz gibt es nicht und ich habe auch gegenüber der Redakteurin, Frau Rössler, ihre Darstellung zurückgewiesen.

Der Text nimmt in einem Absatz auf Äußerungen von mir Bezug:

Kunden aus Flöha, gestern befragt, winken ab. Machen könne man nichts dagegen, und außerdem, die Bäcker können ja letzten Endes auch nichts dafür. Die Flöhaerin Birgitt Röpke, engagiert im Gewerbe- und Festverein Flöha, wird da schon deutlicher. "Es kann nicht sein, dass alles auf die Kunden umgelegt wird", sagt sie. Beispielsweise gebe es unübersehbar auch Preiserhöhungen beim Friseur, bei der Kosmetik. "Bei allem Verständnis, irgendwann muss Schluss sein."

Es ist journalistisch sicher reizvoll, an die Debatten zum Mindestlohn anzuknüpfen, indem Preiserhöhungen, die sich durch höhere Lohnkosten ergeben, als Gegensatz zwischen Unternehmern und ihrer Kundschaft interpretiert werden. Die Nutzung meiner Äußerungen (die in dem Ankündigungstext auf der Titelseite einen anderen Wortlaut haben) für diese Darstellung ist unzutreffend und inakzeptabel – aber nachträglich nicht mehr korrigierbar.

Wer Lohnuntergrenzen will, muss die Kompensation höherer Lohnkosten akzeptieren, die neben Einsparungen, Rationalisierungen, Leistungseinschränkungen (kürzere Öffnungszeiten) auch zu höheren Preisen führen kann. Natürlich ist jeder gegen steigende Kosten und Preise – da sehe ich keinen Gegensatz zwischen den Unternehmern und ihrer Kundschaft. Niemand will Preiserhöhungen – weder vor noch hinter dem Ladentisch. Ich weiß und vertraue darauf, dass die Gewerbetreibenden nach den besten Lösungen für die Kunden suchen. Bereiche mit Bezahlung oberhalb des Mindestlohnes, sind außerdem von dem Problem nicht betroffen – dazu gehört auch mein Friseur (deshalb wurde der Friseur von mir auch nicht genannt).

Frau Rössler hat mich angerufen und da wir uns durch die Organisation des Straßenfestes kennen, habe ich nicht ab gewunken oder aufgelegt. Ich habe nicht erwartet, dass mir aus meinen Äußerungen, in denen ich Verständnis für die Unternehmer geäußert habe, eine Gegenpositon zugeschrieben wird, indem wesentliche Sätze weggelassen werden.

Auf dem FDP-Bundesparteitag am 09.12.2013 wurde folgender Beschluss gefasst:
http://www.liberale.de/content/beschluss-des-ao-fdp-bundesparteitages

Einen Leserbrief, den ich der FP senden wollte, veröffentlichen sie nicht, da Leserbriefe nur von Dritten geschrieben werden können. Mit dem Hinweis auf Achtsamkeit im Umgang mit Pressevertretern grüßt ganz herzlich Birgitt Röpke

Aktualisiert (Freitag, den 13. März 2015 um 16:07 Uhr)

 

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